Psychologisches Coachinggespräch als regelmäßige „Seelenhygiene“
Wir alle duschen mehrmals die Woche, putzen uns täglich die Zähne und waschen noch häufiger die Hände. Die meisten Menschen haben eine Routine bei der Körperhygiene, da es allgemein bekannt ist, dass eine gute und vor allem regelmäßige Hygiene den Körper vor Krankheiten schützt – und noch dazu von unserem Umfeld geschätzt wird.
Viel weniger haben wir das bei unserer Psyche auf dem Schirm.
Die meisten suchen erst dann eine*n Therapeut*in auf, wenn es ihnen schlecht geht, sie also bereits Problemen gegenüberstehen, die sie in ihrer Lebensfreude einschränken, manchmal sogar daran hindern, den Alltag zu bewältigen. Und einige Menschen denken sogar noch immer, dass es eine Schwäche sei, zum „Seelenklempner“ zu gehen – oder aber, dass das nur etwas für „Verrückte“ ist.
Jedoch können sich kleine Problemchen/Macken/Ängste über die Zeit verschlimmern, wenn man sie verdrängt anstatt sie anzuschauen und somit anzupacken und bestenfalls aufzulösen.
Daher ist es absolut sinnvoll, auch gezielt „Seelenhygiene“ zu betreiben.
Wir alle haben unsere dysfunktionalen Verhaltensweisen, unsere Ängste oder Dinge, die wir am liebsten verdrängen oder vermeiden, Gedankenmuster, die uns nicht weiterhelfen, sondern vielmehr schaden oder die zumindest nicht gerade hilfreich sind.
Das bedeutet zunächst, zu erkennen, in welchen Bereichen denn überhaupt ein Thema steckt, das angegangen werden möchte. Wo drückt der Schuh? Wo fühle ich mich immer wieder unzufrieden? Was würde ich gern verbessern?
Dazu gehört auch eine Portion Mut, denn häufig haben wir Verhaltensweisen entwickelt, die uns vor Unangenehmem schützen sollen, und diesen unangenehmen Umständen muss ich mich gegebenenfalls stellen, wenn ich die Verhaltensweisen ändern möchte, die vielleicht einst tatsächlich ein Schutz waren, mir mittlerweile aber vielmehr im Weg stehen.
Das heißt, ein wenig Leidensdruck besteht natürlich immer, wenn man sich dazu entschließt, gewisse Themen anzugehen. Der ist nötig, um überhaupt erst einmal eine Notwendigkeit zu sehen.
Doch häufig besteht der Druck, wird aber nicht ernst genommen, oder aber mit einem „ich bekomme das schon hin, wenn ich nur die Zähne zusammenbeiße“ abgetan.
Was meist dazu führt, dass noch mehr verdrängt oder vermieden wird, bis die Schublade mit den verdrängten Themen übervoll wird und einen überwältigt, oder man so viel vermeidet, dass kaum noch Handlungsspielraum bleibt. In einem nächsten Schritt verschiebt sich das Ganze dann auf eine körperliche Ebene und es kommt zu psychosomatischen (psychogenen) Reaktionen.
Ich möchte Menschen dazu ermutigen, es eine Gewohnheit werden zu lassen, regelmäßig die eigene Psyche zu betrachten, und zwar sowohl als eine Form von Self-Care und Maßnahme für das eigene Wohlbefinden, als auch für das eigene Umfeld. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass gerade auch die Menschen um uns herum immens profitieren, wenn wir uns mit unseren eigenen Schwächen, Triggern und Verhaltensmustern auseinandersetzen. Denn dadurch lernen wir, bewusst zu agieren und auf die Personen um uns herum einzugehen, anstatt nur automatisch auf unsere Umwelt zu reagieren und manchmal gar nicht zu verstehen, was uns da so aus der Fassung gebracht hat.
Uns selbst immer besser kennenlernen ist letztlich, sich selbst als einen besten Freund, eine beste Freundin immer mehr zu verstehen – und es ist der größte Akt der Liebe, den wir für unsere liebsten Menschen tun können.
„I can do nothing for you but work on myself...
you can do nothing for me but work on yourself!“
- Ram Dass